An jedem 30. Des Monats findet ein Konzert, eine Performance, eine Aktion an einem anderen Ort in Luzern statt und wir zeigen eine Veranstaltungspalette, die das Gesicht, die gestalterische Breite und die Offenheit des Forums Neue Musik Luzern repräsentiert. Da werden sowohl arrivierte als auch junge Ensembles spielen. Da wird es Bezüge zur Neuen Musik der letzten Jahrzehnte geben, werden aktuelle Stücke aufgeführt, Kompositionsaufträge vergeben und spezielle Konzepte für das Forum Neue Musik Luzern entwickelt.

 

Bereits stattgefunden haben:

 

 

30. August 2018

 

Kukuruz Quartett

 

Musik für vier Klaviere
von Julius Eastman (1940 – 1990)

Musikzentrum Sedel | 20 Uhr

 

Philip Bartels, Duri Collenberg, Simone Keller und Lukas Rickli spielen im Sedel auf vier alten Klavieren Musik des Aussenseiter-Minimalmusic-Pioniers Julius Eastman, dem schwarzen, schwulen Komponisten, der in New York 1990 vereinsamt und heroinsüchtig gestorben ist und nun posthum ein grosses Revival erlebt.

 

Das Kukuruz Quartett wurde 2014 im Rahmen einer Musiktheater-Produktion von Ruedi Häusermann gegründet, um Musik für vier «wohl-präparierte Einhand-Klaviere» zu spielen. Es handelt sich also um eine aussergewöhnliche Formation, für die es fast kein herkömmliches Repertoire gibt. Die Musikerin und die Musiker entwickeln über längere Zeit gemeinsame Präparationen und Konstruktionen. Das Kukuruz Quartett ist gleichermassen auf Theaterbühnen und in Konzertsälen zu Hause.


 

 

30. September 2018

 

Statt Lärm

Installatives Konzert

 

NF 49 am Seetalplatz
17.00 – 19.00 Uhr

 

Christian Zemp | e-git, fx
Manuel Troller | e-git, fx
Urs Müller | e-git, fx
Jeremy Sigrist | e-git, fx
Roland Wäspe | e-git, fx
Martina Berther | e-bass, fx
Urban Lienert | e-bass, fx

 

«What‘s that beautifully disturbing noise?»

Sieben aufgeweckte Soundforscher*innen begeben sich in die urbane Kulisse des wunderbar hässlichen Verkehrsknotenpunktes Seetalplatz. Dessen Soundwelt ist Ausgangsmaterial für die Abstraktion der Klänge, die Hinterfragung derer gewöhnlichen Wahrnehmung und die Erforschung der kollektiven Intelligenz.
Musik braucht Platz – und dieser Platz braucht Musik!


 

 

30. Oktober 2018

 

Das atmende Klarsein

Vokalensemble Zürich

 

Lukaskirche Luzern
20.00 Uhr

 

Keiko Enomoto, Sopran
Carmit Natan, Sopran
Svea Schildknecht, Sopran
Franciska Näf, Mezzospran
Ulrike Andersen, Alt
Urs Weibel, Alt
Reto Hofstetter, Tenor
Jean Knutti, Tenor
Christophe Gindraux, Tenor
Othmar Sturm, Bariton
Eric Chopin, Bass
Jean-Christophe Groffe, Bass
Matthias Ziegler, Bassflöte
Germán Toro Pérez, Klangregie
Peter Färber Tontechnik
Peter Siegwart, Leitung

 

Programm

 

Giacinto Scelsi 1905 – 1988

Angelus aus «Tre canti sacri» (1958)
für 6 Solostimmen

 

Matthias Ziegler *1955

... una volta già gli ero stato ... (2018, Uraufführung)
Eine musikalische Szene für Bassflöte solo nach dem Gedicht «Girovago» von Giuseppe Ungaretti und nach der ‹Scala enigmatica› Giuseppe Verdis

 

Giuseppe Verdi 1813 – 1901

Ave Maria sulla Scala enigmatica
aus «Quattro pezzi sacri» (1889/rev. 1897) für 4-stimmigen Chor

 

Luigi Nono 1924 – 1990

Das atmende Klarsein (1980/83)
für kleinen Chor, Bassflöte und Live-Elektronik
Textzusammenstellung von Massimo Cacciari unter Verwendung von Fragmenten aus Rilkes Duineser Elegien und aus alten orphischen Blättern

 

Giovanni Croce 1557 – 1609

Dialogo de Chori d’Angeli
aus Liber secundus Gemmae Musicalis, Gardano 1586

 

Das atmende Klarsein von Luigi Nono ist Durchbruch und Schlüsselwerk auf dem Weg hin zu seinem späten Schaffen. Es ist eine aus der Stille wachsende, beinahe ferne Musik über ein Labyrinth verzweigter und historisch weit auseinanderliegender Texte von Rilke und aus antiken orphischen Hymnen, zusammengestellt von Massimo Cacciari, dem Philosophen und Freund Luigi Nonos.

 

... nach spätem Gewitter ... das atmende Klarsein

 

Der Kontext eröffnet ein weites Feld. Die eine Ebene beschwört den ‹Engel›, jenes «stärkere Dasein» (Rilke), jenes Wesen, «dem die himmlischen Dinge anvertraut sind» (Cacciari): Scelsis früher Angelus – eine Musik gewordene, hell leuchtende Ankündigung –, Verdis spätes Ave Maria – eine ‹sciarada› (Rätselspiel) über einer geheimnisvollen Skala – und Croces Dialogo de Chori d’Angeli – eine Raumund Zeitöffnung zurück in die polyphone Weite der italienischen Renaissance.

 

Die andere Ebene lässt als Subtext ein Gedicht von Giuseppe Ungaretti einfliessen: Matthias Zieglers neues Werk, eine Szene für Bassflöte solo, greift die musikalischen Strukturen der Werke von Scelsi und Verdi auf, führt sie weiter und schafft zugleich eine Brücke hin zu Nonos Werk.

 

... Cerco un paese innocente – ... ich suche ein unschuldiges Land

 

PDF Programm

 

 

30. November 2018

 

«LU FTSTR OM»

Ensemble EW4/span>

 

Neubad Luzern
20.00 Uhr

 

Beat Hofstetter, EWI*
Sascha Armbruster, EWI*
Andrea Formenti, EWI*
Beat Kappeler, EWI*
Sebastian Schottke, Technik und Klangregie

 

* Electronic Wind Instrument

 

Programm

 

Uraufführungen von:
Christoph Ogiermann (*1967)
Mattia Bonafini (*1980)
Orm Finnendahl (*1963)
Yannis Kyriakides (*1969)
Ulrike Mayer-Spohn (*1980)
Emilio Guim (*1981)

 

Das Projekt «LU FTSTR OM» hatte im Herbst 2017 einen gelungenen Start und die ersten sehr facettenreichen, elektronischen Kompositionen für vier Blaswandler (EWI, Electronic Wind Instrument) sind entstanden. Weitere fünf Werke entstehen für die Konzerte im Herbst 2018. Die Aussicht, für vier Blaswandler zu komponieren, hat bei den angefragten Komponisten verschiedenste Assoziationen, Denkprozesse und Widerstände ausgelöst. Mit «LU FTSTR OM» wird ein prägendes Thema unserer Zeit – die voranschreitende Digitalisierung in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts – aufgenommen und in einer speziellen Kunst- und Konzertform reflektiert.

 

Das Ensemble EW4

Die vier Saxophonisten Beat Hofstetter, Sascha Armbruster, Andrea Formenti und Beat Kappeler gründen 1995 das ARTE Quartett. Der Name steht für ein Ensemble mit einer eigenen Vision der Interpretation von Musik unserer Zeit. Die strenge Definition von zeitgenössischer, jazziger und frei improvisierter Musik wird durch das Ensemble immer wieder aufgelöst und neu definiert. Die vier Saxophonisten arbeiten eng und über längere Zeiträume mit Komponisten zusammen und sind oftmals am Entstehungsprozess von Kompositionen beteiligt.

 

2016 gründeten die 4 Saxophonisten EW-4 (Electronic Wind Quartet) und wagen einen Blick in die Zukunft: sie steuern mit ihren Blaswandlern verschiedenste Klang- und Lichtquellen an und bringen damit eine audiovisuelle, elektronische Kammermusik zum Klingen. Sie erkunden – auch in Zusammenarbeit mit Komponisten und Spezialisten der elektronischen Musik – neue Spielmöglichkeiten für Blaswandler.


 

 

30. Dezember 2018

 

«accel./cresc.»

 

Performance
Asi Föcker und Raoul Doré

 

Kunstmuseum Luzern
12.00 Uhr

 

Asi Föcker und Raoul Doré zeigen die Performance «accel./cresc.»,in der sie mittels Spiegel und Scheinwerfer den Museumsraum als Resonanzkörper erforschen und eine Klangimprovisation mit bewegter Lichtzeichnung schaffen.
Ausschnitt Performance «accel./cresc.»

 

Asi Föcker (*1974 in Luzern) ist bildende Künstlerin und Musikerin.
Sie studierte Grafik Design an der Schule für Gestaltung Luzern.
Seit 1998 lebt und arbeitet sie in Berlin und seit 2015 auch in St. Gallen.
In ihrer Arbeit experimentiert sie mit Licht, Bewegung, Raum und Klang. Dabei geht sie von alltäglichen Gegenständen und Materialien aus und untersucht sie auf ihre Eigenschaften. Sie interessiert sich für den fragilen, vorübergehenden Zustand, der in der Bewegung und Stimmung von Objekten und Situationen entstehen kann. Mit ihren Arbeiten bewegt sie sich in den Feldern der Installation, Objektperformance und Musik. 2016 erhielt Asi Foecker das Recherche-Stipendium für Bildende Kunst in Berlin, sowie das Atelierstipendium in der APCd Fondation in Fribourg. Sie nahm an der Jahresausstellung Zentralschweizer Kunstschaffen 2016 im Kunstmuseum Luzern teil. Die dort gezeigte Arbeit «solid air» wurde vom Kanton Luzern angekauft. Für die Jubiläumssaison des Forums Neue Musik Luzern zeigt sie zusammen mit Raoul Doré die Performance «accel./cresc.»

 

Öffentliche Führung durch die Jahresausstellung Zentralschweizer Kunstschaffen XL:
Das Kunstmuseum ist am Sonntag, 30. Dezember ab 11:00 Uhr geöffnet. Es besteht die Möglichkeit, um 11:00 Uhr an der öffentlichen Führung durch die aktuelle Jahresausstellung teilzunehmen, welche wir Ihnen/Euch herzlich empfehen.
Die Performance findet im Anschluss an die Führung – um 12:00 Uhr – statt.


 

 

Mittwoch, 30. Januar 2019

 

Musica (in)visibile

 

Ensemble TaG

 

Aulina Kantonsschule Alpenquai
20.00 Uhr

 

Mateusz Szczepkowski | Violine
David Schnee | Viola
Kristina Chalmovska | Violoncello
Rafael Rütti | Klavier

 

Daniel Eaton | Visuals

 

Ausgangspunkt von Musica (in)visibile war zum einen das Werk Ronda von Franco Donatoni, das in seiner rhythmischen Prägnanz und mit seinen klaren Konturen nun als starkes Finale das Programm abschliesst. Zum andern bestand die Idee, dass Bild und Musik – Sehen und Hören, zwei zunächst so unterschiedliche Phänomene des sinnlichen Wahrnehmens – in ihrer Korrespondenz und Wechselwirkung zu einem eigenen und in seiner Art neuartigen Spiel innerhalb des Konzertes werden sollen. Fragen um Sicht- und Unsichtbarkeit von Musik und Klang, deren Formbarkeit und Sichtbarmachung durch (bewegte) Bilder, haben das Ensemble interessiert. Die musikalischen Entdeckungen und klanglichen Raffinessen in den vorgegebenen Kompositionen werden von Daniel Eaton, der selbst auch Musiker ist, visuell umgesetzt.

 

Programm

 

Stefan Keller (*1974) – Schaukel (2015)
Violine, Viola, Cello und Klavier, 13 min

 

Lorenzo Troiani (*1989) – Dalla Voce (2013)
Cello solo, 8 min

 

Giacinto Scelsi (1905-1988) – Manto I (1957)
Viola solo, 11 min

 

Edu Haubensak (*1954) – Schwarz Weiss (1979)
Klavier solo, 10 min

 

Mischa Käser (*1959) – Das Bild des Malers M.L.N. (1983)
Violine solo, 6 min

 

Franco Donatoni (1927-2000) – Ronda (1983)
Violine, Viola, Cello und Klavier, 13 min

 

keine Pause

 

Das 1992 gegründete Ensemble TaG Winterthur – zugleich Ensemble des Theaters am Gleis (TaG) Winterthur – realisiert in jeder Konzertsaison diverse Projekte. Neben den Kammermusikwerken des 20. Jahrhunderts stehen Werke der heutigen Zeit und der Kontakt zu Komponistinnen und Komponisten der Gegenwart im Zentrum. Ein besonderes Anliegen der Ensemblemitglieder ist es, die Musik nicht nur zu spielen, sondern dem Publikum auch zu vermitteln, etwa durch Gespräche nach Konzerten oder durch Programme, die Bezüge aufzeigen oder sich an unterschiedliche Hörerinnen und Hörer wenden.
Das Ensemble TaG entwickelt auch gemeinsame Projekte mit Partner*innen und erschliesst wichtige Experimentierfelder, auch zwischen den Sparten.

 

Weitere Informationen zum Ensemble finden Sie hier


 

 

Samstag, 30. März 2019

 

Murmelstrom-Stafette

von Andres Bosshard

 

17.00 Uhr Treffpunkt beim
Kulturhof Hinter Musegg

 

mit
Anne Kneubühl: Klangwolke 1 (Bäume)
Andri Schatz: Klangwolke 2 (Türme)
Benni Frey: Klangwolke 3 (Wehrgang, Tartanbahn)
Noah Felsing: Hörballone (Allenwinden)
Anonym: Stimme
Andres Bosshard: Murmelstromdirigent

 

Ganz oben auf dem Männliturm, auf der Mauer, vor der Mauer und hinter der Mauer hören Sie es. Was hören Sie? Das graue Stadtrauschen. Und es nimmt zu, wird immer lauter bis wir im Lärmnebel verschwinden. Was können wir tun? Wir haben eine Chance! Wir müssen mehr murmeln! Murmeln? Ja genau, murmeln. Der Murmelstrom generiert den Fonds des Stadtklangs. Wir erzeugen ihn immer wieder neu. Jeden Tag. Es ist der Klanggrund unseres Alltags, und wir geben uns nur mit einem guten Klangwein zufrieden. Wie keltern wir einen guten Stadtklang? Wir murmeln zusammen. Hinter der Mauer, auf der Mauer und vor der Mauer.

Kommen Sie zur ersten gemeinsamen Luzerner Murmelstrom-Stafette! Wir treffen uns zum Startpunsch auf dem kleinen roten Sportplatz vor dem Kulturhof Hinter Musegg, bei schlechtem Wetter im Männliturm.

Dauer ca. 90 Min.

 

Andres Bosshard ist Klangkünstler, Musiker und Dozent. Seit 2015 ist er künstlerischer Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste im Departement Kunst und Medien. Dort leitet er seit 2016 die Study Group Sound und ist Fachbereichsleiter. Für die europäische Kultuhauptstadt Aarhus erarbeitete und produzierte er 2017 das Projekt sonicArk, the sound of Aarhus. Er ist beteiligt am KTI Forschungsprojekt «Stadtklang» in Kollaboration mit dem Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP) der Hochschule Luzern. Im Zusammenhang mit seinen Klangarchitekturen im öffentlichen Raum arbeitet er seit 1995 zusammen mit Freiraumplanern und Architekten.

Weitere Arbeiten sind die Klangbrücke «Donnerbogen mit Flüsterkuppel» für die IBA Hamburg 2013, «Klanghimmel» für das 10-jährige Jubiläum des Museumsquartiers in Wien, vom Juni bis Oktober 2011 und der Klangturm der Expo 02 in Biel. Seit 1980 absolviert er Auftritte und Tourneen als Musiker in Europa, Amerika, Japan, Indien, an internationalen Musik- und Klangkunstfestivals.

 

Weitere Informationen zu Andreas Bosshard finden Sie hier